43. Rostocker Stummfilmnacht

„Die weiße Hölle vom Piz Palü“ (1929)

von Arnold Fanck und Georg Wilhelm Pabst

Musikbegleitung durch Alexander Kraut

am 16.12.2017 um 20:00 Uhr in der Nikolaikirche Rostock

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5. Rostocker Stummfilmnacht

5. Rostocker Stummfilmnacht

 

La Passion de Jeanne d'Arc, 1928, von Carl Theodor Dreyer

 

Stab

Regie, Dehbuch, Schnitt: Carl Theodor Dreyer

Kamera: Rudolph Maté

Uraufführung: 1928, Frankreich

Darsteller/ Rollen

Renée Maria Falconetti: Johanna

Eugene Sylvain: Bishpo Pierre Cauchon

Maurice Schutz: Nicolas Loyseleur

Michel Simon: Jean Lemaître

Antonin Artaud: Jean Massieu

Inhalt

Die Passion der Johanna von Orléans (La Passion de Jeanne d'Arc) gilt als eines der wichtigsten, stilbildenden Werke der Filmgeschichte.

Der Film bezieht sich auf die ergreifende Geschichte des Bauernmädchens Johanna aus Orléans, das 1429 versucht, Frankreich vor den Engländern zu retten und König Karl VII. zur Krönung zu verhelfen. Die damals 18-jährige Johanna fühlt sich von Gott zur Heerführerin auserwählt und kämpft an vorderster Front gegen die englischen Feinde. Als sie gefangen genommen wird, lassen die Franzosen sie im Stich. Die Engländer setzen alles daran, Johanna von Orléans als Ketzerin verurteilt und auf dem Scheiterhaufen zu sehen.

Dreyer konzentriert sich im Film auf den Konflikt zwischen Jeanne und den kirchlichen Inquisitoren. In zum Teil extremen Großaufnahmen wird das Wesen des "Nahkampfes" zwischen ihr und ihren Anklägern deutlich.

So unspektakulär die Ausstattung ist, so atemberaubend ist die filmische Gestaltung des Werkes. Schnelle Schnitte sind mit harter Montage gepaart. Statt der damals üblichen 500-1000 Einstellungen pro Film, bringt es Jeanne d'Arc auf über 1500 Einstellungen, eine Methode, die die Dramatik der Großaufnahmen noch steigert.

Idealbesetzung für die Johanna ist Renée Falconetti, eine damals populäre Schauspielerin am Theatre de Paris, die vor allem in leichten Komödien auftrat. Dreyer brachte seine Hauptdarstellerin an den Rand der Erschöpfung, um die innere Qual der Jeanne d'Arc glaubhaft verbildlichen zu können. Ihr unvergleichliches und ausdrucksstarkes Gesicht und ihr rückhaltloses Spiel sind es, die La Passion de Jeanne d'Arc prägen und die sie zu Dreyers "Reinkarnation der Märtyrerin" werden lassen.

Biographie

Der am 03. Februar 1889 in Dänemark geborene Dreyer war Theaterkritiker bevor er seine Laufbahn beim Film 1912 als Drehbuchautor begann. Er arbeitete für die dänische Filmproduktionsgesellschaft Nordisk, für die er auch 1919 seinen Regieerstling Der Präsident drehte. Mit Beginn der 1920er Jahre ging Carl Theodor Dreyer nach Berlin, um dort für die UFA zu filmen. Es entstand unter anderem der Kammerspielfilm Michael (1924). Spätestens 1928 erwarb er sich mit seinem in Frankreich produzierten Stummfilm Die Passion der Heiligen Johanna nach den Originalprozessakten des Inquisitionsprozesses gegen Jeanne d'Arc den Ruf eines der bedeutendsten Filmemacher.

Seinen ersten Tonfilm Vampyr – Der Traum des Allan Grey - drehte er 1932 wieder in Deutschland. Der Film gilt heute als Klassiker des Horrorfilms, obwohl er keine expliziten Gewaltszenen enthält. Beim zeitgenössischen Publikum war er, wie auch sein Vorgänger, ein Flop. Dreyer ging zurück in sein Heimatland und erst 1943 erschien sein nächster Film Tag der Rache, in dem er Hexenglaube und -verfolgung am Beginn der Neuzeit mit visuell kraftvollen Bildern thematisierte. Nach 1946 drehte Dreyer für die dänische Regierung einige Dokumentarfilme. Mit seinen letzten beiden Werken, Das Wort (1955) und Gertrud (1964) nach einem Bühnenstück von Hjalmar Söderberg schuf Dreyer erneut Filmkunst von bleibendem Wert. Am 20. März 1968 starb Dreyer. Die besondere Modernität seiner Filme begriff man erst nach seinem Tod wirklich. Er gilt heute als einer der wichtigsten Visionäre des Kinos.

 

 

5. Rostocker Stummfilmnacht

La Passion de Jeanne d'Arc, 1928, von Carl Theodor Dreyer



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