43. Rostocker Stummfilmnacht

„Die weiße Hölle vom Piz Palü“ (1929)

von Arnold Fanck und Georg Wilhelm Pabst

Musikbegleitung durch Alexander Kraut

am 16.12.2017 um 20:00 Uhr in der Nikolaikirche Rostock

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11. Rostocker Stummfilmnacht

11. Rostocker Stummfilmnacht

 

Der letzte Mann

 

Erstaufführung: 1924 in Deutschland, Stummfilm, s/w, Länge: 101 min

Regie, Schnitt: Friedrich Wilhelm Murnau, Drehbuch: Carl Mayer, Kamera: Karl Freund, Bauten: Robert Herlth, Walter Röhrig, Produktion: Erich Pommer

Darsteller/ Rollen

Emil Jannings: Hotelportier, Maly Delschaft: seine Nichte, Max Hiller: ihr Bräutigam, Emilie Kurz: seine Tante, Hans Unterkircher: Geschäftsführer des Hotels

Inhalt

Ein alternder Hotelportier verrichtet seinen Dienst an der Tür des „Hotel Atlantic“. In seiner prächtigen Uniform, mit stattlichem Schnurrbart und jovialem Lächeln, begrüßt er dort die Gäste. Als er eines Tages einen Schwächeanfall erleidet, wird er vom Hoteldirektor zum Dienst in die Herrentoilette versetzt. Der Portier verkraftet diese Demütigung nicht und führt nun ein Doppelleben: Tagsüber verrichtet er traurig seinen Dienst in der Hoteltoilette. Nach Feierabend zieht er sich heimlich die Uniform an, um seiner Familie und seinen Nachbarn vorzuspielen, es sei alles wie früher. Doch der Schwindel geht nicht lange gut und nur ein Wunder kann ihn noch retten.

Murnaus Film gehört zu den bedeutendsten künstlerischen Leistungen des Kinos in der Weimarer Republik. Er ist einer der wenigen deutschen Filmen der zwanziger Jahre, die auch im europäischen Ausland und in den USA zu einem geschäftlichen Erfolg wurden. Die soziale Thematik des Films verweist nach der Ära des expressionistischen Kinos auf jenes neue Interesse an der Realität, das wenig später in der Kunst als „neue Sachlichkeit“ bezeichnet wird. Der soziale Abstieg des von Emil Jannings gespielten alternden Hotelportiers wurde als Abschied von der Vätergeneration gedeutet, als Metapher für einen genetischen und gesellschaftlichen Bruch in Deutschland.

Der linear und konsequent erzählten Geschichte haben die Autoren - möglicherweise auf Betreiben der Ufa-Leitung - einen „zweiten Schluß“ hinzugefügt. Er soll eigentlich einen Ausweg aus dem unvermeidlichen Abstieg anbieten, konterkariert diesen aber durch den einzigen Zwischentitel des Films: „Hier sollte der Film eigentlich enden. Im wirklichen Leben würde der unglückliche alte Mann noch kaum etwas anderes zu erwarten haben als den Tod. Doch der Drehbuchautor hatte Mitleid mit ihm und sah ein fast unwahrscheinliches Nachspiel vor.“

Die bedeutende filmästhetische Qualität von „Der letzte Mann“ ist nicht zuletzt der „entfesselten“, vom Stativ befreiten Kamera zuzuschreiben, die Karl Freund hier zum ersten Mal technisch entwickelt und angewandt hat. Die Kamera - nach Murnau der „Zeichenstift“ des Filmregisseurs - beobachtet nicht, wie bis dahin üblich, aus einer starren Position ein bewegtes Geschehen, sie folgt vielmehr der Bewegung des Objektes, und auf den Höhepunkten des filmischen Erzählens verschmilzt sie mit ihr.

Biografie

Friedrich Wilhelm Murnau wurde am 28. Dezember 1888 als Friedrich Wilhelm Plumpe in Bielefeld geboren. Der Vater war Textilfabrikant und die Familie galt als wohlhabend.

Nach der Schule studiert der junge Mann zunächst Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft. In Berlin wird er Schauspielschüler des Max-Reinhardt-Seminars.1909 bricht er mit den Eltern, die seine Homosexualität nicht akzeptieren können, und  führt seitdem das Pseudonym Murnau nach einem Ort in Bayern.

Ab 1913 verkehrt er mit expressionistischen Künstlern (Paul Zech, Franz Marc, Else Lasker-Schüler). Psychische Erkrankungen und Wahnvorstellungen beschäftigen ihn.

Als Soldat im Ersten Weltkrieg gerät Murnau 1917 in ein Schweizer Internierungslager und dreht hier propagandistische Filme. Nach Kriegsende entsteht 1919 in Berlin sein heute verschollener erster Spielfilm: "Der Knabe in Blau".

Den ersten Thriller - eine meisterhafte Inszenierung von Grauen und Angst - legt Murnau mit "Schloß Vogelöd" (1921) vor. Der Vampirfilm "Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens" (1921) macht ihn weltberühmt. Zum Klassiker des deutschen Stummfilms wird sein Film "Der letzte Mann" (1924). Seine „entfesselte“ (erstmalig stativlose) und subjektive Kamera – welche die Sichtweise des Protagonisten einnimmt - erlaubt eine völlig neue filmische Erzählweise.

Ab 1926 arbeitet Murnau für das amerikanische Filmunternehmen Fox. Sein erster Hollywoodfilm "Sunrise" (1926/27) erhielt einen Oscar, aber der Erfolg beim breiten Kinopublikum blieb von da an aus. Friedrich Wilhelm Murnau stirbt am 11. März 1930 in Santa Barbara / Kalifornien an den Folgen eines Verkehrsunfalls.

 

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